Hinter den Dünen von Ceara ist Brasilien noch ursprünglich

Geraldo hat zehn Flaschen Zuckerrohrschnaps im Urlaubsgepäck, dazu Cola, Bier, zwei Bratpfannen, ein paar Kilo Reis und Bohnen, drei Tische, zehn Stühle und eine große Hängematte. Der Mann aus Fortaleza an der Nordostküste Brasiliens will Ferien in einer leerstehenden Bar an seinem Lieblingsstrand Praia do Uruau, 120 Kilometer südlich seiner Heimatstadt machen.

Früher hat er dort direkt am Strand zu Livemusik getanzt. Seit einigen Jahren ist die Strandkneipe geschlossen: zu wenig Gäste, der Laden leergeräumt, der Besitzer weg. Geraldo hat die Bar do Magal mit ihrer Terrasse für ein paar Euro die Woche gepachtet. Sein Vertrag zur Verwirklichung des Lebenstraums läuft für drei Wochen. So lange spielt er jetzt in seiner Lieblingsbar am Meer Kneipier.

Viel los ist an den endlosen Sandstränden des brasilianischen Bundesstaates Ceara, eine gute Flugstunde nördlich der Urlaubsmetropole Recife noch immer nicht, an goldgelben Küsten mit Dünen bis hinter den Horizont. In Morro Branco gibt es ein paar gut laufende Beachbars, weil dort an den Wochenenden die Städter zum Feiern hinfahren, in Praia das Fontes zwei Hotels, an der Praia do Diogo nur noch ein paar Fischerboote im Sand. Brasilien ohne Rio-Rummel.

Fast hätte Cearas touristischer Karrieresprung schon stattgefunden, doch im letzten Moment verlief alles im endlosen Sand. Ende der 90er Jahre sollte es Charterflüge von Deutschland nach Fortaleza geben. FTI wollte damals groß einsteigen – und entschied sich dann fürs Gegenteil: den Lateinamerika-Katalog für Jahrzehnte vom Markt zu nehmen. Knapp zehn Stunden hätte der Nonstop-Flug gedauert. Diejenigen, die nun kommen, reisen auf dem Umweg über Rio, Sao Paulo, Recife oder Lissabon an.

Die Küstenstraße CE 40 verläuft kilometerweit im Hinterland, die Stichstraßen zu den Orten am Meer sind sandig und oft nicht ausgeschildert. Wer sie fährt, wird an ihrem Ende mit Alltag belohnt, mit Gastfreundschaft, mit recht einsamen Stränden. Diese kleinen Fischerorte kommen ohne Häfen aus. Die flachen Jangada-Boote werden wie Flöße auf den Strand gezogen und von dort aus über Baumstämme wieder ins Wasser gerollt, die Segel nicht mal eingeholt.

Wer Lust hat, kann in den Hochsaisonmonaten Dezember, Januar und Juli per Beach-Buggy an den aufgebockten Booten vorbei über Strand und Dünen schaukeln. Warum in den anderen Monaten kaum Gäste kommen, versteht keiner. Das Wetter ist dasselbe – im Tagesschnitt über 25 Grad, meistens scheint die Sonne. Nur im August ist es stürmischer.

Kneipier Geraldo hat unterdessen die Speisekarte seiner Miet-Beachbar erweitert. Die Fischer haben Krabben mitgebracht. Er serviert die frittierten Camarao mit einem Dip aus Kokosmilch, Koriander und Zwiebeln. Das Geschäft mit der Bar im Paradies kommt ins Rollen.

Quelle: Touristik Aktuell

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